Sei ein Löwe, kein Schaf

Auch in diesem Jahr stand vier Wochen lang bei unseren Vorschulkindern ein besonderes Thema auf dem Programm: Selbstbehauptung. Und gestern Abend zogen wir gemeinsam mit den Eltern Bilanz – bei einem Resilienzabend, der noch lange nachwirkte.

Vier Wochen starke Kinder

Kathrin Kürschner, Kinder- und Familiencoachin, hat unsere Maxikinder auf ihrem Weg in Richtung Schule begleitet. Spielerisch und kindgerecht hat sie ihnen gezeigt: Auch Worte können wehtun – und schon die eigene Körperhaltung kann Selbstsicherheit ausstrahlen.

Ihr Motto, das sich die Kinder schnell zu eigen gemacht haben: Auf Probleme reagieren wir selbstsicher wie Löwen, nicht meckernd wie Schafe und nicht nervend wie Mücken.

Der Elternabend: Ein Blick hinter die Kulissen und Inspiration für Eltern

Gestern Abend kam Kathrin Kürschner noch einmal zu uns in die Kita – diesmal für die Eltern. Sie nahm die Erwachsenen mit auf eine Reise durch die vier Wochen: Was haben die Kinder gelernt, welche Übungen haben sie gemacht und warum sprechen sie ständig von Löwen, Schafen und Mücken?!

Der eigentliche Clou des Abends steckte aber in einer einfachen, aber wirkungsvollen Botschaft: Wer sich starke Kinder wünscht, muss auch ihre starken Gefühle aushalten und begleiten – statt sie klein zu machen. Wut, Trauer oder Angst gehören genauso dazu wie Mut und Selbstsicherheit. Nur wer als Kind lernen darf, auch die „unbequemen“ Gefühle zu zeigen, kann später wirklich stark und resilient auftreten.

Doch wie gelingt das im Alltag? Kathrin gab den Eltern ein einfaches, aber wirkungsvolles Werkzeug mit: die bewusste Pause zwischen Reiz und Reaktion. Bevor wir auf einen Gefühlsausbruch reagieren, hilft ein kurzer Moment des Innehaltens und der Selbstregulation – er schafft Raum, um ruhig statt impulsiv zu reagieren. Und dazu gehört auch, als Elternteil die eigenen Grenzen zu kennen und zu setzen. Denn nur wer selbst stabil bleibt, kann auch seinem Kind in stürmischen Momenten ein sicherer Hafen sein.

Unser Fazit

Zwei Veranstaltungen, ein gemeinsames Ziel: Kinder, die mutig, selbstsicher und gestärkt ihren Weg gehen – ganz gleich, ob im Kita-Alltag oder bald in der Schule. Vielen Dank, Kathrin!

In diesem Sinne: Sei ein Löwe, kein Schaf und keine Mücke!

Spielzeug? Das hat Urlaub!

Ab Aschermittwoch wurde es leer in unseren Gruppenräumen – und genau das war der Plan. Neun Wochen lang haben wir das Projekt „Spielzeugfrei“ durchgeführt und dabei erlebt, wie viel Kreativität freigesetzt wird, wenn das gewohnte Spielzeug einfach mal verschwindet.

Der Countdown: Spielen, Packen, Spielen

Schon in der Woche vor Karneval wurden die Kinder informiert und haben selbst mit angepackt: Gemeinsam wurde das Spielzeug spielerisch in Umzugskartons verstaut. Nach Karneval war es dann so weit – die Gruppenräume standen leer, und die Zeit des vorgegebenen Spiels war erst einmal vorbei.

Parallel dazu haben die Eltern fleißig gesammelt: Im Materialraum stapelten sich schon bald große Mengen an Pappkartons, Stoffresten, Kronkorken, Eierkartons, Knöpfen, Schnüren, Klebeband, Krepppapier und vielem mehr. Auch auf dem Außengelände wurde umgestaltet – statt Sandspielzeug standen nun Äste und andere Naturmaterialien zur freien Verfügung.

Aus Alltagsmaterial wird Fantasiewelt

Was dann entstand, hat uns Tag für Tag aufs Neue überrascht: Boote, Roboter, Basketballkörbe und Murmelbahnen aus Toilettenpapierrollen sind nur einige wenige Beispiele. Manche Projekte entstanden in kurzer Zeit, manche wurden über Tage und Wochen kontinuierlich gebaut und erweitert. Dazu unzählige Rollenspiele und selbstgebastelte Verkleidungen. Die Kinder haben sich in ganz neuen Konstellationen zusammengefunden, gemeinsam gebaut, verhandelt und ausprobiert.

Und nicht nur die Kinder sind über sich hinausgewachsen – auch für unser Team war das Projekt ein echter Lernprozess. Mit der Zeit kamen den ErzieherInnen immer mehr und neue Ideen, was sich aus einfachen Alltagsmaterialien alles zaubern lässt.

Was die Kinder mitgenommen haben

Das Projekt hat weit mehr bewirkt als neue Bastelideen:

  • Mehr Kreativität: Ohne vorgefertigtes Spielzeug mussten eigene Ideen her
  • Neue Konstellationen: Kinder haben mit anderen Kindern gebaut und gespielt, mit denen sie sonst seltener zusammen waren
  • Weniger Konsum: Ein erstes Gefühl dafür, wie wenig man eigentlich braucht
  • Recycling verstehen: Aus „Müll“ wird etwas Neues – ganz praktisch erlebt
  • Langeweile aushalten: Aus dem passiven „Mir ist langweilig“ wurde die aktive, eigene Kreativität
  • Weniger Streit: Auffällig war, dass es unter den Kindern spürbar weniger Konflikte gab als sonst üblich

Wie geht es weiter?

Auch nach den neun Wochen bleibt der Spielzeugfrei-Gedanke bei uns lebendig – nur eben in neuer Form. Das Spielzeug ist zwar in reduziertem Umfang zurück in die Gruppenräume eingezogen, das Projekt wird aber gewissermaßen weitergedacht: Es entsteht gerade eine eigene Werkbank, an der die Kinder einen richtigen Werkzeugführerschein machen können. So bleibt der kreative, handwerkliche Geist des Projekts erhalten – und die Kinder bekommen ein neues spannendes Feld, um sich weiter auszuprobieren.

Fazit: Ein Projekt mit Nachhall

Ob Kinder, Eltern oder Team – am Ende der neun Wochen waren sich alle einig: Spielzeugfrei war ein voller Erfolg. Manchmal braucht es eben keine fertigen Spielsachen, sondern nur ein bisschen Pappe, Fantasie und Zeit.

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